Isfahan
Unser erstes
heutiges Ziel ist die Freitagsmoschee „Masdjed-e Djameh“, die
Seldschuken-Moschee. Von aussen betreten wir diesen riesigen Komplex (168 x 135
m), der im Meer der Häuser nicht auffällt, durch einen kleinen Eingang. Die
Ursprünge dieser Moschee gehen zurück ins 9. Jahrhundert! Dieser Backstein Bau
beindruckt dadurch dass keine Farben verwendet wurden. Es ist die Schönheit der
Nüchternheit, die beeindruckt. Übrigens Nüchternheit: Ausser den ständigen
Witzen über unser Leben im Iran ohne Alkohol fehlt dieser überhaupt nicht. Das
iranische „Malt Beer“ ist zwar nicht das Gelbe vom Ei…aber wir kommen gut damit
über die Runden.
Auf der anderen
Flussseite, wo die Diaspora der armenischen Christen leben besuchen wir deren
religiöses Zentrum. Der westliche Charakter mit Cafés und Läden in diesem
anderen Viertel sticht ins Auge. Sogar
einen KFC (Kentucky fried Chicken) treffen wir an. Die Kirche und das Museum
das an den Genozid zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert stimmt nachdenklich
und lässt uns die grosse Hitze vergessen. Ich habe letzte Nacht schlecht
geschlafen und bin hundemüde. Der türkische Kaffee, den wir hier trinken weckt
mich und ich bin für einen der Höhepunkte wieder top fit: Der Besuch im
Feuertempel der Zoroastrier.
Sicher kennst Du,
lieber Leser, das Musikstück von Strauss „Also sprach Zarathustra“ nach einem
Buch von Nietsche. Der Zoroastrismus war die erste monotheistische Religion
überhaupt. Zarathustra, ihr Begründer, lebte 1000 v.Christus. Während über 1000
Jahren war es die Staatsreligion der Perser. Diese wurde im 7. Jahrhundert
durch den Islam zur Bedeutungslosigkeit reduziert wurde. Heute wird die Zahl
der Gläubigen im Iran auf 30‘000 geschätzt. Der Glaube basiert auf der heiligen
Schrift Avesta. Gottesbilder sind dem Zoroastrismus unbekannt. Im Feuertempel
wird die heilige Flamme gehütet, die als Symbol der Gottheit gilt.
Nikdion, der Priester
empfängt uns herzlich und führt uns kurz in Philosophie ein. Sie ist einfach:
„Gut denken“
„Gut reden“„Gutes tun“
Jeder Mensch muss
mit sich ins Reine kommen. Der Mensch ist frei. Er hat Verantwortung zu
übernehmen. Jeder bekommt was er gibt. Ahura Mazda, der Gott. Die vier Elemente
Wasser, Erde, Luft und Feuer spielen ein grosse Rolle, insbesondere das Feuer,
das in den Tempeln speziell geehrt (nicht angebetet) wird. Nicht nur die
Person, auch das Gesagte beeindrucken. Auf den ersten Blick scheint alles
logisch und einfach. Eine Religion ohne Hierarchie, ohne Strukturen. Alle Ämter
der Gemeinde werden ehrenamtlich ausgeübt. Es wird nicht missioniert. Norbert
Oettinger, unser Professor meint dass dies vermutlich die Strategie gewesen sei,
um neben dem Islam überleben zu können.
| Kutsche auf dem "Meydan-e Imam" Platz |
| "Masdjed-e Djameh" die Seldjuken Moschee |
| Im Feuertempel der Zoroastrier |
| Ahura Mazda die Gottheit der Zoroastrier |
| In der Gallerie mit Fotograph, Jill der Galleristin und Dorkas |
| Und immer wieder.." Meydan-e Imam", der ehemalige Königsplatz |
Beeindruckt verlassen wir den Ort und kehren zurück zum Hotel. Auf meine Frage nach zeitgenössischer Kunst empfiehlt mir Zoreh zwei Gallerien. Vier Mal steigt der Taxifahrer aus um sich zu erkundigen, bis er in einer Seitenstrasse anhält. Eine kleine Gallerie mit einer Fotoausstellung. Die Besitzerin gibt bereitwillig Auskunft zu allen Fragen. Auch darüber wie sie den Iran als Frau, als aktive Bürgerin erlebt. Bereits mehrere Male wurde sie durch die Polizei aufgefordert dafür zu unterschreiben, dass sie zukünftig auf gewisse Aktivitäten verzichten werde, resp. nicht mehr durchführen würde. Achselzucken…sie werde es weiterhin tun. Einmal, so erzählt sie wurde sie durch Polizei in voller Montur und Waffen aus ihrer Gallerie abgeführt, weil sie eine Ausstellung mit nackten Frauen , die nur für ein Frauenpublikum offen war ermöglichte. Aber nicht nur die Galleristin ist interessant. Auch die Fotos, die mir so gut gefallen, dass ich zwei von ihnen kaufe und in die Schweiz schicken lasse.
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