Montag, 30. September 2013


Yasd – Isfahan


 

Heute hören wir von Zoreh, unserer Reiseleiterin einiges zum Thema Scheidung. Scheiden ist heute im Iran einfach geworden, vorausgesetzt beide Ehepartner sind einverstanden. Innert Wochenfrist sei dies möglich. Frauen können sich einseitig nur in extremen Fällen scheiden lassen, wenn nämlich der Ehemann gewalttätig, Alkoholiker oder drogenabhängig ist. Streitscheidungen können gut 3 – 5 Jahre dauern. Die Kinder bleiben bis zu ihrem zweiten Lebensjahr bei der Mutter. Dies scheint mit dem Stillen zusammen zu hängen. In der Folge kommen die Mädchen bis zum 9. und Jungs bis zum 15. Lebensjahr zum Ernährer (Vater). Dann sind die Kinder „frei“ zu entscheiden bei welchem Elternteil sie leben wollen. Heute sei es jedoch meist so, dass die Männer die Kinder freiwillige bei der Mutter lassen.
Nach einer Scheidung muss die Frau traditionell 100 Tage warten bis sie wieder heiraten darf. Dies aufgrund der Möglichkeit einer Schwangerschaft vom bisherigen Ehemann.
 Auf der Fahrt zur mystischen Stadt Isfahan machen wir Halt in Meybod, wo wir die Gelegenheit haben, Tücher, Teppiche und andere Souvenirartikel zu kaufen. In Nain bewundern wir die Freitagsmoschee, eine der ältesten im Iran, die durch die Sunniten erbaut wurde. Tee und Gebäck auf dem Divan wird uns in einem Hotel in der Altstadt serviert.




Pol-e Khadjou Brücke

Buffet im Innenhof des Hotels Abbisi



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Isfhans Schönheiten


Und dann kommen wir in diesem sagenumworbenen Isfahan (Esfahan in Farsi) an. Wir begegnen der Stadt bei Sonnenuntergang an ihrer schönsten von sechs Brücken, der „Si-o Se Pol“, der Brücke der 33 Bögen, die 1602 erbaut wurde.  Das Hotel Abbasi war ursprünglich eine Karawanserei und gefällt uns insbesondere aufgrund der Gartenanlage. Nicht umsonst wird das Abbasi als schönstes Hotel Irans beschrieben.  Das Buffet ist im Freien aufgebaut und wir geniessen die herbstliche Kühle auf 1500 Meter über Meer. Im Anschluss ans Abendessen folgt ein kurzer Stadtbummel, welcher Fabrice nutzt um – mit fachkundiger und motivierender Unterstützung  durch Dorkas – vier Hemden zu kaufen. Preis für alle vier: CHF 50. Der Tag klingt in der „Gartenwirtschaft“  des Hotels und unter Einheimischen  aus. Besonders die jungen, schönen Frauen ziehen natürlich unsere Blicke an.

 

Sonntag, 29. September 2013


Yasd


 

Mein Tag beginnt bereits um sechs Uhr mit dem Lustwandeln durch den prächtigen Garten. Um acht Uhr geht die Fahrt zu den Türmen des Schweigens. Hier legten die Zoroastrier früher ihre Toten den Geiern zum Frass. Der Grund lag darin dass diese Glaubensgemeinschaft, die über eintausend Jahre Staatsreligion war, die vier Elemente – Erde, Feuer, Wasser, Luft – nicht mit Leichen verschmutzen wollten. Yasd ist heute noch das Zentrum dieser einst mächtigen Religion mit aktuell geschätzten 30‘000 Gläubigen im Iran. Nach Besichtigung und Besteigung einer der beiden Türme geht es weiter zur Freitagsmoschee mit ihren geschwungenen Arkaden. Nach einer Siesta fährt uns der Taxifahrer direkt zum Coiffeur. Fabrice wurde von Dorkas und Simone überredet seinen Bart stutzen und seine Haare schneiden zu lassen. Nie wieder wird Haare schneiden so günstig sein: 100‘000 Rial, was CHF 3 entspricht. Um 17.30 Uhr treffen wir im „Sportcenter“ ein, wo Iranisches Krafttraining in der Gruppe dargeboten wird. Ich begegne einer jungen Frau aus Lausanne, die von Land und Leuten ebenfalls begeistert ist. Vor ihrer Abreise wurde die Sicherheit im Iran von ihren Bekannten dermassen hinterfragt, dass sie am  Tag der Abreise völlig verunsichert war. Es ist doch erstaunlich, wie die westliche Propaganda auf die Menschen wirkt. Einmal mehr rundet ein leckeres iranisches Buffet den Tag ab und einmal mehr geniesse ich den Espresso in der Gartenanlage.

 
Hotel Papageien
 
Hoteleingang

 


Turm des Schweigens im Hintergrund
"Geier" des Turms des Schweigens

Besuch im Feuertempel der Zoroastrier

Afternoon Tea in Yasd

Fabrice beim Coiffeur - unter strenger Beobachtung

Der Finish mit dem Pinsel
Abendstimmung in Yasd
 

Samstag, 28. September 2013


Schiras – Yasd


 

Die Fahrt nach Yasd führt uns heute vorbei an Persepolis nach Pasargadae, wo wir das Grabmal des grossen Kyros besuchen.  Dem Gründer des Achmäneidischen Grossreiches, der 550 v. Christus lebte, wurde hier ein eindrückliches Denkmal gesetzt. Pasargadae war einst prachtvolle Hauptstadt des persischen Weltreiches, ist heute nur noch ein riesiges Ruinenfeld. Vorbei an der eintausend Jahre alten Zypresse machen wir auf Privatgrund Pic-nic. Unser Weg führt uns weiter über einen 2500 Meter hohen Pass im Löwengebirge (Shir-Kuh-Gebrige, 4055 ü.M.)  in die Ebene nach Yasd, am Rande der Wüste. Die Abendstimmung mit den letzten Sonnenstrahlen ist atemberaubend. Im Hotel „Moshir-el-Marmalek“ werden wir von zwei Papageien und einem frischen Orangensaft empfangen. Dieses im alten Stil gehaltene Hotel wird von aussen durch hohe Mauern geschützt. Innen führen Wasserwege durch eine grosse Gartenanlage. Nach dem Buffet-Abendessen verweilen wir im „Coffee Shop“ unter Bäumen auf einem Diwan, nach persischer Art. Der erste Espresso seit einer Woche!

 
 
 
 
 


Freitag, 27. September 2013


Persepolis


 

Eine Stunde von Schiras entfernt liegt das sagenumworbene Persepolis.  Diese Palastterrasse mit einer Ausdehnung von 13 Hektaren (130‘000m2!) lässt einem sprachlos. Reliefs, die vor 2‘500 Jahren zurzeit von Darius, Herrscher der Achämeniden entstanden, sind in einem Zustand…man kann es nicht fassen. Das Ganze ist so interessant, dass wir während der dreistündigen Führung der grossen Hitze trotzen, ohne zu leiden. Die Sonne hinterlässt  bei Fabrice einen Sonnenbrand im Nacken! Um 13 Uhr geht die Fahrt weiter zu den Königsgräbern. Einfach unglaublich, was vor 2‘500 Jahren an Kunstwerken entstand und in welch gutem Zustand diese heute noch sind.

Der versprochene freie Nachmittag beschränkt sich auf die Zeit nach 17 Uhr und reichte gerade noch, um „Eram Garden“ im Norden von Schiras während einer halben Stunde zu besichtigen. Fabrice bleibt im Zimmer, die Hitze hat ihren Tribut gefordert!

 

Noch ein Vers von Ferdowsi:

Man ist mächtig wenn man weise ist
Von Weisheit wird ein altes Herz wieder jung

 

 









Donnerstag, 26. September 2013


Schiras


 

Der heutige Tag beginnt mit der Besichtigung der privaten Moschee „Nasir-al-molk“, die von seltener Schönheit ist. Die Dichter spielen auch heute eine wichtige Rolle: Wir besichtigen die Mausoleen von Saadi und Hafis. Gebäude zu Ehren von Persönlichkeiten aus dem 12. und 14 Jahrhundert! Wahre Kraftorte an denen ich mich sehr wohl fühlte und wo ich gerne noch länger geblieben wäre. Am Mittag – als die Geschäfte schlossen –erreichten wir den Bazar. Auf Empfehlung unserer Reiseleiterin wählen wir das sympathische Restaurant „Saray-e-mehr“  am Ende des Bazars. Schönes Lokal, schöne Menschen, gutes Essen und erst noch eine Erklärung wie „Dizzy“ (Iranischer Eintopf) gegessen wird. Eigentlich hätte ich nach diesem Gericht abends kein Essen mehr nötig gehabtJ. Der Nachmittag in Begleitung der beiden deutschen Reiseteilnehmerinnen  Dorkas und Simone ist unterhaltsam: Wir kaufen Schuhe für Fabrice, besuchen die Zitadelle, das Hamam Museum und die Moschee neben dem Bazar. Abendessen wiederum im selben Restaurant: Kebab mit Gemüsen. Wir übernachten im Hotel Pars.






  Moschee "Nasir-al-molk"
 


Iraker auf dem Bazar von Schiras

 
Iranische Schönheiten                 
  
 Anweisung wie man "Dizzy" isst
 
 Hafis Mausoleum                    
 
 
 


Mittwoch, 25. September 2013


Ahvas – Schiras


Beim Verlassen von Ahvaz überqueren wir über den mächtigen Karun Fluss, der mit seinen 700 km der längste und einzige schiffbare Fluss des Irans ist, resp. wäre. Wir erfahren dass er seit dem Krieg gegen den Irak aufgrund von Minen noch heute nicht schiffbar ist.
 „Bitte anschnallen und Kopftücher anziehen“.
Dieses geflügelte Wort hören wir mehrmals täglich von Zoreh, wenn wir zu einer Polizeistation entlang der Autobahn kommen. Es ist mit Bestimmtheit der am meisten gehörte Satz auf unserer Reise. Heute durchqueren wir die ölreiche Provinz Khusestan und gelangen in die Provinz Fars. Anders als die Golfstaaten, schaffte es der Iran nicht, von den Öl-Multis unabhängig zu werden. Dies ist der Grund, dass der Iran heute lediglich in zwei Raffinerien Benzin produziert. Dies deckt lediglich einen Viertel des nationalen Bedarfes! Unser Reisepensum heute beträgt rund 600km. Wir sind 11 Stunden unterwegs.
Heute lernen wir einiges über die Heirat im Iran: Früher wurden die Hochzeiten durch die Eltern arrangiert. Bereits hat der TV – überall sieht man die eigentlich verbotenen Satelliten Schüsseln an Wänden und auf Dächern –vieles in diesem Land verändert. Hochzeiten von gläubigen Paaren werden nach wie vor getrennt (Männlein/Weiblein) gefeiert. Wenig gläubige Paare heiraten nach westlichem Muster, wie zu vernehmen war, oft auch mit Alkohol. (Alkohol ist verboten aber einfach erhältlich) Es ist anzunehmen, dass auch im Iran Internet und TV weitere Veränderungen im Verhalten und in den Gewohnheiten der Bevölkerung zur Folge haben werden. Zum Thema Zeit-Ehen: Alle Männer (Ledige, Verheiratete, Geschiedene) können Zeitehen zwischen 30 Minuten und unendlich eingehen. Anders die Frauen: Nur Geschiedene oder Verwitwete dürfen Ehen auf Zeit eingehen. Will ein Zeitehen-Paar in einem Hotel absteigen, ist angeblich ein Dokument das diese Ehe bestätigt Voraussetzung. Unverheirateten Paaren werden keine gemeinsamen Hotelzimmer angeboten.
 
Arabische Minderheit in Shush
 
 

 






Prof. Oettinger "in Action"

Wir fahren in die Hochtäler des Zagrosgebirges und machen einen Abstecher zu den Ruinen der Paläste und den berühmten übergrossen Reliefs von Bischapur. Diese zeigten den sassanidischen Herrscher Schapur. Eindrücklich ist das intakte Zentrum der Stadt: Ein kreuzförmiger vertiefter Raum. Einen besonderen Leckerbissen geniessen wir in Form eines Gedichtes in Farsi, der iranischen Sprache, gesprochen durch Norbert Oettinger (Ordinarius für Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Reiseteilnehmer). Von ihm darf ich während unserer Reise viel über die Entwicklung der indogermanischen Sprachen lernen. Auch überrascht er immer wieder mit Zitaten und viel Witz.

Es ist bereits dunkel, als wir nach langer Bergfahrt die Passhöhe auf über 2000 Meter Höhe in Richtung Schiras überqueren, wo wir um 20.30 Uhr ankommen. Die lokale Spezialität heute Abend: Hühnchen mit Berberitzen-Reis. Lecker wie immer.
 
 

Dienstag, 24. September 2013

Kermanschah – Ahvas


Um 05.30 Uhr werden wir geweckt und um 07 Uhr geht die Fahrt los. Die Landschaft die wir heute durchfahren ist vielseitig. Das Gebirge gleicht einmal einem Canyon, dann sind es die scharfen Zacken oder die schwungvollen Gesteinsbänder die kilometerlang die Felsenwände durchziehen, die uns faszinieren. Die 540 km durch die kurdische Provinz Loristan hält uns im Atem und unsere Kameras schussbereit. In Shush besichtigen wir die Ruinen von Susa und des Tempels von Tschoga-Sanbil. Bereits 3‘000 Jahre v.Christus gab es hier eine Stadt der Elamer (3‘000 bis 620 vor Christus). Neben dem Museum ist bereits  das tägliche Pic-nic aufgebaut. Standard ist das dünne Fladenbrot, die geschmackvollen Tomaten und Gurken und der Frischkäse. Täglich wechselnde Speisen wie Thon, Bohnen, eingelegter Knoblauch, Peperoncini und ein Frucht ergänzen das Angebot. Die Fruchtsäfte ersetzen das Bier!
Es ist ein langer und heisser Tag. Waren wir gestern noch auf 1‘500 Meter über Meer, sind wir nun praktisch auf Meereshöhe. Es ist heiss und schwül.  Das Hauptgericht des heutigen Abendessens ist der mir unbekannte Löwenfisch, der zwar etwas trocken, aber geschmacklich sehr gut ist. Die Tischgespräche sind interessant bis lustig und wir merken nicht wie die Zeit vergeht. Um 22 Uhr nach dem Essen erhält Fabrice Besuch von einem Facebook- Kollegen; einem jungen Iraner aus Ahvaz. Ein sehr sympathischer junger Mann. Das Studium als Ingenieur hat er abgeschlossen, findet jedoch keinen Job. Er meint er hätte nicht genügend Beziehungen um einen Job zu finden und ins Ausland auszuwandern sei enorm schwierig und benötige viel Zeit. Mit dem Schweizer Armee-Taschenmesser, dass Fabrice ihm als kleine Aufmerksamkeit übergibt kann er nicht viel anfangen, er kennt es nicht. (Was… gibt es auf dieser Welt noch Menschen, die das Schweizer Sackmesser nicht kennen!!!??) Fabrice berichtet dass sein Freund den Nutzen des Messers noch am selben Abend erkannt hat, als sich nämlich eine Bierdose (alkoholfrei!) nicht von Hand öffnen liess. Um 00.30 Uhr schleicht sich dann Fabrice ins Zimmer des Hotels Pars.
 
 
 
 
 


Montag, 23. September 2013


Arak – Hamadan - Kermanschah


Auch heute beginnt der Tag mit blauem Himmel und einem sehr ansprechenden Frühstücksbuffet. Wiederum steigt die Quecksilbersäule auf 36°C. Am Vormittag besichtigen wir die Festung Nusch-e Djan aus der Zeit der Meder (rund 750 v.Christus). Die Reise führt uns heute ins Zagros-Gebirge, das sich über eine Länge 1‘500 km in südöstlicher Richtung ausdehnt.
Bei unseren WC-Stopps lernen wir schnell, dass entweder zu jedem Gebetsraum ein WC gehört oder zu jedem WC ein Gebetsraum. Übrigens beten. Die Sunniten beten bekanntlich 5 Mal pro Tag die Schiten (Iran) lediglich 3 Mal. In Hamadan sehen wir dann die Überreste des steinernen Löwen, der angeblich von Alexander dem Grossen in Auftrag gegeben wurde.

Der Schatzbrief des Grosskönigs Darius
Wir folgen einem Zweig der antiken Seidenstrasse zum Relief des Grosskönigs Darius und weiter nach Kermanschah.

 übersetzt: 47 aïn 851 11
Heute beginnt im Iran das Schuljahr. Im weiteren ist es die Woche in der den Märtyrern des Krieges gegen den Irak (1980-1988) gedenkt wird. Ein TV Sender strahlt 24 Stunden nur über dieses Thema! Im Bus werden wir „zum Znüni“ mit einer Mischung aus Nüssen und Weinbeeren verwöhnt. Dazu Nescafé und Chai (Tee). Wir fahren vorbei an tausenden Nussbäumen, die entlang der bestens ausgebauten Autobahn stehen. Interessant sind die Autonummern, da sie in Farsi sind:



 
Nach gut 400km  Autobahn (mit Strassenbeleuchtung) kommen wir in Kermanschah auf 1500 Meter über Meer an, wo uns wieder ein gutes Abendessen auf uns wartet: Rindfleischwürfel und Mandelsplitter an einer Leckeren Sauce mit eingelegten (süssen) Limonen. Hundemüde steigen wir um  23 Uhr in unsere Betten. Wie bereits am Vortag schlafe ich und Fabrice lädt seine Bilder ins Internet.

Sonntag, 22. September 2013


Teheran – Arak


Heute dürfen wir ausschlafen! Erst um 08 Uhr werden wir geweckt. Nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet sind sämtliche Reiseteilnehmer um 09.30 Uhr pünktlich zur Abfahrt bereit. Die Reisegruppe umfasst 25 Personen, davon 6 Schweizer. Das Durchschnittsalter ist – wie wir dies bereits von unserer ersten Studiosus Reise entlang der Seidenstrasse kennen – hoch.

Unsere Reise beginnt mit der Besichtigung des Nationalmuseums. Hier lernen wir dass  bereits vor 7‘000 Jahren v. Christus eindrückliche Handwerkarbeiten ausgeführt wurden. Dies zu einer Zeit als es in der Schweiz noch nicht einmal Pfahlbauer gab! Besonders faszinierend sind wir von den Reliefarbeiten aus der Achämenidischen Zeit (559-330 v.Christus), die wir später in Persepolis nochmals sehen werden.

Es bleibt Fabrice und mir etwas Zeit um uns in der Nachbarschaft umzusehen. Es ist ein einfaches Viertel. Wir besuchen ein Shopping Center, das diesen Namen eigentlich nicht verdient. Es macht mich traurig, all die in schwarzes Tuch eingehüllten Frauen zu sehen.  Was für ein Unterschied zu den Iranerinnen, die gestern mit uns im Flugzeug waren.
 
Zoreh, unsere exzellente Reiseleiterin unterhält uns während der Fahrt mit iranischer Musik und Versen der drei prominentesten Dichtern Irans. Nachfolgend ein Beispiel von Ferdowsi, der im 10./11. Jahrhundert lebte und wohl der grösste Dichter des Landes war     

Der gute Rat
 
Weisst du noch als du kamst,
Wie du weintest und alle lachten
 
Leb so dass wenn einst du gehst,
Du lachst und alle weinen
 
Am Nachmittag geht die Fahrt weiter nach Arak, das 290km süd-westlich von Teheran liegt. Dieser Name ist mir aus meiner Zeit an der Hotelfachschule irgendwie bekannt, ist doch ein Schnaps  danach bekannt! Und tatsächlich; Früher wurde dies Produkt hier hergestellt. Früher…vor der Revolution natürlich. Die Fahrt durch eine karge Wüstenlandschaft führt uns an Ghom, der drittheiligsten Stadt Irans vorbei. Wieder fällt auf, dass entlang der gesamten Strecke Lampen zur Beleuchtung der Autobahn stehen.

 Arak aus dem Hotel
 
 
In Arak erwartet uns das futuristisch anmutende Hotel Amir Kabir (benannt nach dem Ministerpräsident zur Kadscharenzeit im 19. Jh.) Wieder überraschen die öffentlichen Räume positiv und die Nasszelle negativ.  Nachdem sich die Teilnehmer gegenseitig vorgestellt haben und den Apéro (Orangensaft) genossen haben, gehen wir zu einem benachbarten, sehr gemütlichen Restaurants, wo wir ein ausgezeichnetes Buffet mit lokalen Spezialitäten geniessen. Um 21.20 Uhr bin ich bereits im Bett und Fabrice im Internet! Heute wurde in der Schweiz abgestimmt. Via Zakynthos, wo meine liebe Frau (Iran war aufgrund des Kopftuchzwangs kein Thema) mit der Familie ihres Bruders Urlaub macht, erhalten wir die Abstimmungsresultate.

Samstag, 21. September 2013

Die Reise nach Teheran


Um 07 Uhr fährt unser Zug in Bern ab und um 12 Uhr kommen wir - Fabrice und ich - am "Fernbahnhof Frankfurt Flughafen". Michelle unsere Tochter, die in Wiesbaden lebt, erwartet uns bereits und steht für uns am Check-in Schalter in der langen Warteschlange. Die zahlreichen Passagiere mit unglaublich viel Gepäck machen uns stutzig. Wir erfahren dass Air Iran 35 kg Gepäck pro Person erlaubt (auch für Economy Passagiere). Ob das mit dem Embargo zusammenhängt?
Bei McD geniessen wir  mit einem Hamburger letztmals vor unserem Flug ins Reich des Bösen"europäische" Kost!
Erstaunt sind wir als am Gate neben Teheran als Ziel ebenfalls Ljubljana als Zwischenlande Destination aufgeführt ist. Iran Air fliegt von Teheran mit vollem Tank nach Frankfurt. Aufgrund des Embargos wird ihnen der Kauf von Kerosin verweigert. Obwohl Slowenien auch in der EU ist und somit die Sanktionen unterstützen sollte, wird die Maschine in Ljubljana aufgetankt! Mich erstaunt dass wir beim Auftanken in der Maschine bleiben dürfen/müssen. Bei Kleinflugzeugen wäre dies undenkbar. Andere Regeln für die Grossen oder Umgehung von Handling Fees am Flughafen?
An Bord des Airbus 300-600 stellt Fabrice fest, dass es kaum Männer mit Bärten hat, was eigentlich nicht unseren Vorstellungen entspricht.15 Minuten vor der Landung wird es unruhig an Bord: Alle Frauen decken ihre Haare mit Kopftüchern und einige wechseln die Kleider.
Beim warten auf unser Gepäck lernen wir die Reiseleiterin und unsere "Gspänli" für die nächsten 14 Tage kennen.












Während der einstündigen Fahrt ins Stadtzentrum von Teheran fällt auf dass die gesamte Länge der Autobahn beleuchtet ist. Wenig Werbung entlang der Strasse und überhaupt keine westlichen, bekannten Marken-Plakate sind zu sehen. Dafür haushohe Portäts von Geistlichen mit Truban. Im Vorbeifahren wirkt die Stadt sauber und die Häuser modern.
Das Hotel Laleh (vor der Revolution Hotel InterContinental) überrascht durch die moderne Lobby. Enttäuscht sind wir jedoch von der Nasszelle des Zimmers, das bei uns wohl eher in einem Ein- oder Zweistern-Hotel zu finden wäre.


Freitag, 20. September 2013

Am Tag vor dem Abflug

Eine bewegte Woche: Olivier, unser Jüngster, zügelte am Donnerstag mit dem ganzen Mobiliar nach Luzern, wo er eine Top-WG gründete und heute um 03.00 Uhr (!!)" übergab" ich Christine am Autorastplatz Grauholz ihrem Bruder & Familie. Bereits um 09.15 erhielt ich von ihr ein SMS, dass sie gut auf Zakynthos (GR) gelandet sei.
Spät erwacht (09 Uhr) bin ich bereits im Hintertreffen! Der Garten ruft, letzte Kommissionen in der Stadt Bern, letzte Arbeiten für einen Kunden und allerletzte Putz- und Aufräumarbeiten. Man könnte meinen dass ich nun keine Zeit habe um nervös zu sein. Weit gefehlt! Es kribbelt in mir. Ich bin nervös und gespannt, was uns im Iran erwarten wird. Die Stimmen aus meinem Umfeld sind einstimmig: "Was willst Du im Iran? Hast Du keine Angst? Kommst Du wieder zurück?"
Der Moment ist - politisch - günstig. Obama und Rohani schreiben einander bereits Briefe. Ein erstes Treffen in NY anlässlich der UNO Eröffnungskonferenz steht bevor.
Ich hoffe dass ich Euch, lieben Leser, bald berichten kann. Talk to you soon:)

Montag, 16. September 2013

Vorbereitung

Gestern wurde ich von einer Bekannten gefragt weshalb wir gerade in den Iran reisen werden. Meine erste, sehr spontane Reaktion: Weshalb nicht? Ich entschied mich aber die Frage die mir per E-Mail gestellt wurde etwas umfassender zu beantworten:
Nachdem Christine und ich vor drei Jahren auf einer Kreuzfahrt den Spuren der Römer und der Griechen nachgingen dient mir diese Reise einerseits der Vergrösserung des Wissens und des Verständnisses der Geschichte.
Über den Iran erfahren wir kaum Positives aus den Medien. Grund genug vor Ort zu analysieren ob die Informationen die wir hier in Europa erhalten identisch sind mit Informationen die wir im Iran erhalten werden und uns damit ein eigenes Bild zu ermöglichen
Wie bereits auf unserer ersten Reise mit Studiosus entlang der Seidenstrasse interessiert mich Land und Leute sehr. Die eingangs erwähnte Fragestellerin erwähnte in ihrem E-Mail die Schönheit der iranischen Frauen. Aus einem Guide war zu entnehmen dass Schiras traumhaft schöne Rosengärten hat. Von verschiedenen Seiten durfte ich erfahren dass in Isfahan unbeschreiblich schöne Bauten zu besichtigen sind. Mit Fabrice, meinem Sohn und Begleiter erhoffe ich mir Kontakte zu jungen Menschen.
Das sind doch wirklich Gründe genug, den Iran zu bereisen. Fabrice und ich freuen uns riesig und sind bereits nervös: das Reisefieber steigt!!