Ahvas –
Schiras
Beim
Verlassen von Ahvaz überqueren wir über den mächtigen Karun Fluss, der mit
seinen 700 km der längste und einzige schiffbare Fluss des Irans ist, resp.
wäre. Wir erfahren dass er seit dem Krieg gegen den Irak aufgrund von Minen
noch heute nicht schiffbar ist.
Dieses
geflügelte Wort hören wir mehrmals täglich von Zoreh, wenn wir zu einer
Polizeistation entlang der Autobahn kommen. Es ist mit Bestimmtheit der am
meisten gehörte Satz auf unserer Reise. Heute durchqueren wir die ölreiche
Provinz Khusestan und gelangen in die Provinz Fars. Anders als die Golfstaaten,
schaffte es der Iran nicht, von den Öl-Multis unabhängig zu werden. Dies ist
der Grund, dass der Iran heute lediglich in zwei Raffinerien Benzin produziert.
Dies deckt lediglich einen Viertel des nationalen Bedarfes! Unser Reisepensum
heute beträgt rund 600km. Wir sind 11 Stunden unterwegs.
Heute lernen
wir einiges über die Heirat im Iran: Früher wurden die Hochzeiten durch die
Eltern arrangiert. Bereits hat der TV – überall sieht man die eigentlich
verbotenen Satelliten Schüsseln an Wänden und auf Dächern –vieles in diesem
Land verändert. Hochzeiten von gläubigen Paaren werden nach wie vor getrennt
(Männlein/Weiblein) gefeiert. Wenig gläubige Paare heiraten nach westlichem
Muster, wie zu vernehmen war, oft auch mit Alkohol. (Alkohol ist verboten aber
einfach erhältlich) Es ist anzunehmen, dass auch im Iran Internet und TV weitere
Veränderungen im Verhalten und in den Gewohnheiten der Bevölkerung zur Folge
haben werden. Zum Thema Zeit-Ehen: Alle Männer (Ledige, Verheiratete,
Geschiedene) können Zeitehen zwischen 30 Minuten und unendlich eingehen. Anders
die Frauen: Nur Geschiedene oder Verwitwete dürfen Ehen auf Zeit eingehen. Will
ein Zeitehen-Paar in einem Hotel absteigen, ist angeblich ein Dokument das
diese Ehe bestätigt Voraussetzung. Unverheirateten Paaren werden keine
gemeinsamen Hotelzimmer angeboten.
Arabische Minderheit in Shush
Wir fahren in
die Hochtäler des Zagrosgebirges und machen einen Abstecher zu den Ruinen der
Paläste und den berühmten übergrossen Reliefs von Bischapur. Diese zeigten den
sassanidischen Herrscher Schapur. Eindrücklich ist das intakte Zentrum der
Stadt: Ein kreuzförmiger vertiefter Raum. Einen besonderen Leckerbissen
geniessen wir in Form eines Gedichtes in Farsi, der iranischen Sprache,
gesprochen durch Norbert Oettinger (Ordinarius für Vergleichende Indogermanische
Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Reiseteilnehmer).
Von ihm darf ich während unserer Reise viel über die Entwicklung der indogermanischen
Sprachen lernen. Auch überrascht er immer wieder mit Zitaten und viel Witz.
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