Mittwoch, 25. September 2013


Ahvas – Schiras


Beim Verlassen von Ahvaz überqueren wir über den mächtigen Karun Fluss, der mit seinen 700 km der längste und einzige schiffbare Fluss des Irans ist, resp. wäre. Wir erfahren dass er seit dem Krieg gegen den Irak aufgrund von Minen noch heute nicht schiffbar ist.
 „Bitte anschnallen und Kopftücher anziehen“.
Dieses geflügelte Wort hören wir mehrmals täglich von Zoreh, wenn wir zu einer Polizeistation entlang der Autobahn kommen. Es ist mit Bestimmtheit der am meisten gehörte Satz auf unserer Reise. Heute durchqueren wir die ölreiche Provinz Khusestan und gelangen in die Provinz Fars. Anders als die Golfstaaten, schaffte es der Iran nicht, von den Öl-Multis unabhängig zu werden. Dies ist der Grund, dass der Iran heute lediglich in zwei Raffinerien Benzin produziert. Dies deckt lediglich einen Viertel des nationalen Bedarfes! Unser Reisepensum heute beträgt rund 600km. Wir sind 11 Stunden unterwegs.
Heute lernen wir einiges über die Heirat im Iran: Früher wurden die Hochzeiten durch die Eltern arrangiert. Bereits hat der TV – überall sieht man die eigentlich verbotenen Satelliten Schüsseln an Wänden und auf Dächern –vieles in diesem Land verändert. Hochzeiten von gläubigen Paaren werden nach wie vor getrennt (Männlein/Weiblein) gefeiert. Wenig gläubige Paare heiraten nach westlichem Muster, wie zu vernehmen war, oft auch mit Alkohol. (Alkohol ist verboten aber einfach erhältlich) Es ist anzunehmen, dass auch im Iran Internet und TV weitere Veränderungen im Verhalten und in den Gewohnheiten der Bevölkerung zur Folge haben werden. Zum Thema Zeit-Ehen: Alle Männer (Ledige, Verheiratete, Geschiedene) können Zeitehen zwischen 30 Minuten und unendlich eingehen. Anders die Frauen: Nur Geschiedene oder Verwitwete dürfen Ehen auf Zeit eingehen. Will ein Zeitehen-Paar in einem Hotel absteigen, ist angeblich ein Dokument das diese Ehe bestätigt Voraussetzung. Unverheirateten Paaren werden keine gemeinsamen Hotelzimmer angeboten.
 
Arabische Minderheit in Shush
 
 

 






Prof. Oettinger "in Action"

Wir fahren in die Hochtäler des Zagrosgebirges und machen einen Abstecher zu den Ruinen der Paläste und den berühmten übergrossen Reliefs von Bischapur. Diese zeigten den sassanidischen Herrscher Schapur. Eindrücklich ist das intakte Zentrum der Stadt: Ein kreuzförmiger vertiefter Raum. Einen besonderen Leckerbissen geniessen wir in Form eines Gedichtes in Farsi, der iranischen Sprache, gesprochen durch Norbert Oettinger (Ordinarius für Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Reiseteilnehmer). Von ihm darf ich während unserer Reise viel über die Entwicklung der indogermanischen Sprachen lernen. Auch überrascht er immer wieder mit Zitaten und viel Witz.

Es ist bereits dunkel, als wir nach langer Bergfahrt die Passhöhe auf über 2000 Meter Höhe in Richtung Schiras überqueren, wo wir um 20.30 Uhr ankommen. Die lokale Spezialität heute Abend: Hühnchen mit Berberitzen-Reis. Lecker wie immer.
 
 

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